Projekt mobilmachen Gelterkinden CH, 2010
„Geordnetes Chaos“ - Eine Installation im Zeughaus Gelterkinden

Die zentrale Installation „Geordnetes Chaos“ ist im Zeughaus in Gelterkinden arrangiert. Beim Eintreten in den optimal gestalteten Raum begegnet man der eindringlichen Anordnung aus Scheiben eines alten 200jährigen Eichenstammes. Die Auseinandersetzung mit dem Ort in Anwesenheit des Holzes gewinnt ihre Prägnanz in der Anspielung auf die Differenz zwischen Eigenstruktur und Fremdstruktur, von Raum und Materie, Natur und Mensch und Zeit und dem Sein unter diesen genannten Bedingungen. Aus dem Wechselspiel zwischen der Lebendigkeit des Holzes und einer wachen Sinneskraft des Betrachters ergibt sich dieser Eindruck.

In einer Parallele liegen auf zwei Arten Holzscheiben unterschiedlich dicht, welche die innere Struktur des Holzes offenbaren. In Augenhöhe des Betrachters sind Platten aus dem Holz desselben Baumes am Maschendraht befestigt. Tiefe Einblicke in die gewachsene Struktur des Holzes unterstreichen die vom Künstler gekonnt fokussierte Naturbelassenheit der Materie. Die gleichwohl als „innere Logistik“ zu begreifende Gewachsenheit des Holzes in seiner Struktur und die noch schwache Anwesenheit der ehemals angestrengten Ordnungs-Bemühungen in diesem Zeughaus korrespondieren lose. Vielmehr erreicht die Installation, dass der Betrachter sich zurücknimmt, während er auf einem Mittelgang zwischen zwei gleichmäßig gelegten Plattenreihen geht, doch neben sich, wie auch in Augehöhe, konkret von der gewachsenen Perfektion der Eiche und ihrer Präsenz völlig umgeben ist.

Die optische Dimension der Arbeit wird durch Sägespäne, auf denen nicht nur die Platten liegen, sondern auf denen der Besucher geht, sowie einen locker geschichteten Turm im Menschengröße aus willkürlich aufgelegten Eichenstäben am Ende des Mittelganges ergänzt. In Richtung dieses Turms bewegt sich der Betrachter zunächst. Optische und quasi-haptische Dimensionen aus Zuschnitt und (Ober-) Flächenstrukturierung durch Sägemuster, wie auch die Anordnung der Arbeit insgesamt reduzieren die Materie nicht nur auf ihren formalen Charakter, sondern stellen ihr Wesen umso prägnanter in den Vordergrund.

Dies geschieht, da der Raum von den Eigenschaften des Holzes „gefüllt“ ist. Komplettiert wird dieser Anspruch an die menschliche Sinnesleistung durch die olfaktorische Dimension. Direkt nach dem Legen der Platten war der Geruch der Gerbsäure besonders zu bemerken. Nach einigen Tagen nun schwebt im ehemaligen Lagerraum des Militärs eher noch ein Hauch des süßlich-frischen Dufts, der dem Holz ausströmt und den Besucher voll erfasst.
Inwieweit dem Betrachter sich die Installation erschließt, hängt davon ab, ob er sich auf die eindringliche Thematisierung von Zeit und Raum und Existenz im Kontext dieser Arbeit einlässt. Inwiefern man scheinbar gängige, auf Zeit geltende, zu Zeiten raumgreifende Definitionen dieser existenziellen Bedingungen zurückstellt, um sich auf die offenen und bedingungslosen Tatsachen der sinnlichen Erfahrung natürlicher Gegebenheiten einzulassen, bedarf dieser möglichen Entdeckung zwischen den Strukturen. Die Grenzen der menschlichen und technischen Organisation (Man denke an den begrifflichen Gegensatz der „chaotischen Ordnung“!) und die grenzüberschreitenden Qualitäten der natürlichen Ordnung werden durch diese Installation nicht nur angedeutet.

Text: Jan Pfennig, Bochum
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